Zwei Bunker, zwei Welten

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Ich habe einen 7qm großen Proberaum in einem alten Luftschutzbunker unter der Stadt. Seit ich von meiner Kreativzeit zurück bin, übe und probe ich dort unten regelmäßig mein neues Programm. Doch fühlt es sich so falsch und surreal an, wenn ich weiß, dass nicht weit von hier entfernt ein ganzes Land ihr Leben immer mehr in solchen Bunkern verbringt. Vielleicht haben die Ukrainer:innen ihre Bunker noch vor acht Tagen teilweise auch als Kulturstätten, als Clubs oder sonstwas genutzt. Doch nun tritt das Unvorstellbare ein und diese unterirdischen Labyrinthe aus dicken Betonmauern werden zum Zufluchtsort vor den tödlichen Beschüssen.
Wahnsinn, wie schnell sich komplette Realitäten ändern können. Und Wahnsinn, dass einzelne Menschen auf dieser Welt die Macht haben, dass zu tun.
Ich fühle mich seit dem Kriegsbeginn hilflos, verängstigt und frage mich, was ich als Musiker nun für die Gesellschaft (nicht nur die deutsche) tun kann. Es fühlt sich gerade so falsch an, Gigs zu bewerben, Marketing-Konzepte zu erstellen oder kritische Lieder über unser Zivilisationsmodell zu singen, obwohl die Handlungsnotwendigkeit weiter zunimmt.
Als ich vor zwei Jahren mit meinem Klima-politisches Programm durch Deutschland reisen wollte, kam eine Pandemie. Mein neues Programm wirkt gerade ebenso fehl am Platz, durch die viel beschworene Zeitenwende. Dennoch weiß ich, dass all diese Krisen und all das Leid nur ein kleiner Vorgeschmack auf die Klimakatastrophe sind. Daher muss diese verhindert werden. Aber wie gut wir Katastrophen verhindern können, wird uns leider momentan stündlich mehr vor Augen geführt. Ich bin traurig.

erikstenzel

Politischer Liedermacher aus Nürnberg

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