Corona Super-Spreader

Corona Super-Spreader

Hallo ihr Lieben.
Das Leben könnte momentan durchaus langweiliger sein. Bei mir ging die Corona-Zeit letzten Dienstag los und keiner weiß, wie lange sie dauern wird. Seit letzter Woche gibt es in Deutschland das Versammlungs- und Veranstaltungsverbot, oder die Bitte dies zu unterlassen. Seit diesem Zeitpunkt habe ich auch die Gewissheit, dass meine Tätigkeit als Liedermacher solange nicht funktioniert, bis wir als Gesellschaft uns wieder treffen können, zumindest offline. Immer wenn letzte Woche das Telefon klingelte, wusste ich eigentlich schon, worum es geht und musste im Mut der Verzweiflung immer beim „Hallo, ja ich weiß schon.“ lachen.
Alle Auftritte sind abgesagt für die nächste Zeit, bis dato sind das bei mir 13 Stück. Schade drum, grade weil ich ja eben erst Release hatte und doch gerne weiter durch die Lande gezogen wäre um über den Klimawandel zu singen. Auch bin ich finanziell absolut abhängig von den Gigs, da heutzutage über Streaming und CD-Verkauf quasi nichts mehr geht. Da ich immer Spitz auf Knopf plane, habe ich momentan ein Gesamtvermögen von 950 Euro und es sieht nicht so aus, als könnte ich bald wieder echte Auftritte spielen. Das hört sich erstmal irgendwie hart an, aber trotzdem empfinde ich die „Krise“ als etwas eher positives. Ich empfinde sie als unglaublich interessant, lehrreich und entschleunigend, ja fast wie einen Testlauf für eine zukünftige Katastrophe, vor der ich nur allzu gerne warne. Ich habe mir den Beruf des Liedermachers mit seiner finanziellen Unsicherheit auch bewusst ausgesucht und ich habe sonst in meinem Leben unglaubliche Freiheiten. Es ist ein wahnsinniges Privileg, so viele Erfahrungen machen und Menschen treffen zu dürfen. Ich habe eigentlich immer gefordert, dass die Welt mal ein weniger langsamer werden muss, dass die Wirtschaft nicht mehr wachsen darf, dass wir mit weniger zufrieden sein sollen. Genau das passiert grade und die Ersten die es trifft sind die Freiberufler und Soloselbstständigen. Auch habe ich immer gehofft, dass mir sozialer Reichtum ebenso helfen kann, wie finanzieller. Das scheint sich jetzt auch zu bewahrheiten, denn ich kriege von vielen Freunden und lieben Menschen finanzielle Unterstützung angeboten, ohne dass ich selbst da schon dran gedacht hätte. Ich fühle mich also seltsamerweise sicher und glücklich. Das geht sogar soweit, dass ich überlege die Zeit zu nutzen, ein zweites Album zu schreiben und dafür wieder ein Crowdfunding zu machen. Keine Ahnung ob das funktionieren würde, aber es fühlt sich grade gut an und Inhalte gibt es grade ja wie Sand am Meer. Darüber wollte ich eigentlich ein paar Gedanken los werden.

Corona und Erderwärmung sind in gewisser Weise sehr ähnlich. Alle wissen, es wird kommen und die Wissenschaftler warnen davor mit zum Teil schrecklichen möglichen Szenarien. Und wir alle haben es in der Hand, diese Szenarien im Reich der Theorie zu belassen oder sie selbst zu realisieren. Unser aller Verhalten bestimmt den Ausgang der Geschichte. Wenn ich sehe, wie schnell und unbürokratisch die Regierungen auf einmal handeln können, wie der Großteil der Bürger bereit ist, auf die individuelle Freiheit zu verzichten und im Sinne der globalen Gesellschaft zu handeln, dann bin ich sehr überrascht und habe viel Hoffnung für die Bewältigung der Umweltkrise. Der Unterschied von Corona zur Erderwärmung ist nur, dass Covid-19 eine konkrete, räumlich omnipräsente Gefahr darstellt. Auch die Folgen für Wirtschaft und Sozialverhalten sind direkt spürbar und so sind viele Menschen bereit, ihr Verhalten zumindest temporär zu ändern. Mal sehen ob das auch längerfristig funktioniert.

Und nun zum eigentlichen Titel dieses Beitrages. Als Super-Spreader werden wohl Menschen bezeichnet, die überdurchschnittlich viele andere anstecken, weil sie sozial sehr aktiv bleiben. Sie sehen entweder keine Notwendigkeit darin, sich einzuschränken, oder sie sind schlecht informiert oder beides. Diese Menschen gefährden schlussendlich das gesamte Projekt und treten so die Solidarität und Entbehrungen der restlichen Bevölkerung mit Füßen. 
Ganz ähnlich gibt es auch im Themenfeld des Klimawandels Menschen, die beispielsweise mit „Fuck you Greta“ Stickern über dem Auspuff rumfahren, sich der Facebook Gruppe „Fridays4Hubraum“ anschließen oder Geld verdienen wollen, in dem sie Geld anlegen. Das sind für mich CO2 Super-Spreader, die die Zukunft der Menschheit mit Füßen treten.
Es gab noch nie solange Frieden in Europa wie jetzt und die globale Solidarität mit Risikogruppen bzgl. Covid-19 ist ein tolles Zeichen für eine Weiterentwicklung unserer Zivilisation. Aber ich glaube nicht, dass wir durch Corona alle bessere Menschen werden und sich der Umweltschutz danach bei jedem ganz selbstverständlich ins Leben integriert aus Angst davor, bald eine ähnliche Krise wieder zu erleben. Die altruistischen, sozialen Menschen werden in dieser Krise ihre Werte noch stärker ausüben, die Super-Spreader werden dagegen weiterhin ihre Vorteile und ihr Wohlbefinden priorisieren. Daher wünsch ich mir vom Staat ein wenig Hilfe, um die Super-Spreader auch einzuschränken, egal ob bei Corona oder bei der Umweltzerstörung. Wenn ich hier durch Nürnbergs Südstadt gehe, würde ich auf alle Fälle eher für eine Ausgangssperre plädieren. Soviel Mündigkeit und Verantwortung ist nicht jedem Bürger zuzumuten, auch wenn das die Idee von Demokratie ist. Leider sieht die Realität noch anders aus. Aber wir alle können mithelfen, die Super-Spreader zur Rede zu stellen und auf sie einzuwirken. So kann sich bald vielleicht eine durchweg verantwortungsvolle Gesellschaft bilden, die mit jeder Katastrophe klar kommen wird oder diese am Besten vorher abwendet. Bleibt gesund und mutig. Haltet die Augen offen und helft denen, die Hilfe brauchen. Und wenn ihr mir helfen wollt, dann bin ich über jede finanzielle Unterstützung dankbar, sei es durch den Kauf meiner Musik, digital oder physisch oder durch eine Spende. 
Liebe Grüße aus der Nürnberger Südstadt
Euer Erik

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