Vom warmen Eis

Vom warmen Eis

Während der letzen großen Eiszeit, war soviel Wasser auf der Erde gefroren und in riesigen Eismassen gebunden, dass der Meeresspiegel im Durchschnitt um 120 Meter niedriger lag als heute. Da war Großbritannien noch Teil von Festlandeuropa und man hat sich zu Fuß besuchen können, vielleicht hätte es damals keinen Brexit gegeben. Aber vielleicht gab es vor 10000 Jahren da noch nicht so viele Europäer. Eine Erwärmung um 5 Grad hat gereicht, um die Eismassen zu zwei Dritteln abzuschmelzen. Stand heute liegen also quasi noch 60 Meter Meeresspiegel in gefrorener Form auf dem Planeten rum und man kann sich ungefähr ausrechnen, um wie viel Grad die Temperatur noch steigen muss, um die Erde eisfrei zu machen.

Nun gibt es viele unterschiedliche Auswirkungen einer globalen Erwärmung die uns Menschen nicht so gefallen: Dürren, Hitzewellen, eine Zunahme der Extremwetter Ereignisse, längere Perioden gleicher Wetterlagen, Artensterben, Desertifikation und wahrscheinlich noch eine Menge mehr, von der ich keine Ahnung ab. Für mich wirkt allerdings die Sache mit dem warmen Eis am meisten eindrucksvoll aber auch unvorstellbar. Ich nutze daher auch gerne in meinen Liedern und auf Konzerten diesen Aspekt des Klimawandels am meisten. Über Grönland liegt zum Großteil ne ganze Menge Eis, der sogenannte Grönländische Eisschild. Da ist soviel Wasser eingefroren, dass es für einen globalen Meeresspiegel Anstieg von sieben Metern reichen würde. Sieben Meter!!! Wer sich mal anschauen will, wie Holland, Hamburg oder New York bei einem solchen Szenario aussehen würde, dem möchte ich folgende Meeresspiegel Simulation empfehlen:http://www.floodmap.net/

Das ist kein Filmskript von Steven Spielberg für einen neuen Hollywood Streifen, sondern kann schon bald Realität werden. Denn man weiß nicht genau, wann der Kipppunkt des Grönländischen Eisschildes erreicht ist. Die Berechnungen liegen zwischen einer Erwärmung von einem bis vier Grad. Jeder der mal einen Cocktail getrunken hat kennt dieses Phänomen, dass am Anfang die Eiswürfel noch recht stabil wirken und gefühlt gar nicht schmelzen. Ab einem bestimmten Punkt schmelzen sie dann aber immer schneller und der Cocktail wird verwässert. Daher trink ich lieber Bier. Wenn dieser Punkt in Grönland erreicht ist, wird der Eisschild instabil und anfangen zu schmelzen, da gibts dann kein Zurück mehr. Das ist ja das gemeine an diesen Kipppunkten. Wenn der Schalter erstmal umgelegt ist, dann kriegt man ihn nicht mehr zurück gedrückt. Wir müssen also hoffen, dass die Berechnungen, wann der Kipppunkt denn erreicht ist, eher bei vier Grad Erwärmung als bei einem Grad liegen. Aber was, wenn er bei einem Grad liegt? In der Antarktis gibt es auch heute schon Teile der Eismassen, die unwiederbringlich wegschmelzen, da ihr Kipppunkt erreicht wurde. Ein Anstieg des Meeresspiegels um zwei bis drei Meter in den nächsten 50 Jahren ist uns durch diese großen Eiswürfel also schon mal sicher.

Der IPCC-Bericht, was quasi der Jahresbericht zum Stand des Klimawandels ist, nur dass er alle vier Jahre erscheint und mit mehreren tausend Seiten und hunderten Autoren ein echter Schmöker ist, hat dringend dazu geraten, die globale Erwärmung bis Ende des 21. Jahrhunderts auf zwei Grad zu begrenzen, da man kaum erahnen kann, welche Kipppunkte bei höherer Erwärmung erreicht werden. Auf dem Pariser Klimagipfel 2017 wurde dieses Zwei-Grad-Ziel nochmal nach unten korrigiert, auf einenhalb Grad Erwärmung, da man doch nicht soviel pokern will, grade mit dem Grönländischen Eiswürfel im Nacken. Das bedeutet beispielsweise für Deutschland, ab 2050 CO² neutral sein zu müssen. Die USA ist unter Trump aus diesem Abkommen ausgetreten, Brasilien hat es vor und China macht so auf freiwilliger Basis mit. Und welche Staaten sind prozentual am meisten an der Erwärmung beteiligt?

Das was mir eigentlich dabei Angst macht, sind die enormen politischen und zwischenmenschlichen Spannungen, die auf uns zukommen. Wenn die Welt weiter im Status-Quo verfährt, dann werden in den nächsten 40 Jahren über eine Milliarde Menschen ihren Wohnraum an das Meer verlieren, denn die höchst besiedelten Zonen auf der Erde sind die Küstengebiete. Eigentlich muss ich gar nicht im Futur schreiben, denn dieser Prozess ist schon lang im Gange. Das Wort „Flüchtlingskrise“ ist  eigentlich ziemlich schlecht gewählt, weil eine Krise immer irgendwann in absehbarer Zeit beendet ist. ich denke, der Begriff „Völkerwanderung“ passt besser. Der Klimawandel sorgt dafür, dass Lebensräume des Menschen und natürlich vieler weiterer Lebewesen unbewohnbar werden. Diese Menschen müssen abwandern, ein neues, sichereres Zuhause suchen, und wo wird das sein? Natürlich in den reichen Konsumgesellschaften, die keine großen Probleme mit Meeresspiegel Anstieg, Dürren oder Hurricanes haben. Und das finde ich absolut nachvollziehbar und auf keinen Fall zu verurteilen. Ich würde genauso handeln. Aber wie soll das denn eine Gesellschaft packen, die schon bei zwei Millionen Einwanderern komplett am Rad dreht und zehn Meter nach rechts rückt. Ich hab eine riesen Angst davor, dass sich der globale Trend fortsetzt und sich alle Staaten, denen es noch gut geht, weiter einigeln und immer brauner werden. Keinen Bock auf Hass und keinen Bock auf Krieg. Wir sind doch eigentlich so schlaue Köpfe, lasst uns nicht wieder so dumm werden. 

Viele Fragen bleiben offen und viele genannte Punkte bereiten Sorgen, aber ich möchte hier keine Panik machen oder Ohnmacht erzeugen, sondern euch ermutigen, die Sache endlich ernst zu nehmen. Keiner muss sich von jetzt auf morgen nur noch vegan ernähren und sofort sein Auto verkaufen. Aber einfach so weiter machen geht eben auch nicht. Also lasst uns anfangen, was zu ändern. Nicht für mich, sondern für euch selbst. Danke für eure Zeit und eure Aufmerksamkeit. 
Euer Erik

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