Lösungsideen – Der Mensch

Lösungsideen – Der Mensch

In der letzten Woche habe ich am Mittwoch im Boca in Fürth gespielt, wo ich mir eher als Fremdkörper mit meinen Liedern vorkam. Am Freitag wurde ich vom Fridaysforfuture-Team zum Filmschauen ins Casablanca in Nürnberg eingeladen und musste nach der Doku „10 Milliarden// Wie werden wir satt?“ feststellen, dass ich mir als Mensch auf dieser Erde wie ein Fremdkörper vorkomme. Und am Wochenende war ich auf dem Neumarkter Volksfest zu Gast und auch dort kam ich mir bis zur zweiten Mass als ziemlich fremd vor. 
Im Endeffekt zeichnet sich immer das selbe Muster ab: Ich mache mir große Sorgen um die Zukunft unserer Spezies, doch merke ich, wie wenig Menschen ihre Verantwortung gegenüber unserer Spezies wahrnehmen. Das regt mich dann unglaublich auf und ich fühle mich fremd. Im Gespräch geben meine Diskussionspartner meistens ihre Verantwortung an die Politik oder Wirtschaft ab, doch am allermeisten an mich. Mir wird erklärt, dass ich zwar noble Ziele verfolge, aber verloren bin. Dass ich doch auch schon mal geflogen bin oder Fleisch gegessen habe. Dass ich mich im Ton vergreife und nicht soviel von meinen Mitmenschen fordern dürfte. 
Ein interessantes Phänomen ergibt sich nach den Auftritten. Wenn ich mit meiner Band Strabande auf einem Fest sechs Stunden Cover-Musik spiele, dann klopft mir jeder, der neben mir in den Pausen am Pissoir steht, auf die Schulter und sagt sowas wie, „geile Musi“ oder „ah, die Musik“. Er sucht den Kontakt. Wenn ich mit meinem Solo-Projekt spiele und sicherlich auch predige und ermahne, dann steh ich eigentlich immer alleine an den Pissoirs. Auch wenn ich am Tresen oder vor der Tür mit den Rauchern stehe, spricht mich selten jemand auf die „Musi“ an, die er grade gehört hat. Das ist bei der Covermucke genau gegenteilig.
Gut, werdet ihr sagen, dass ist ja auch nicht verwunderlich und ja, das hätte ich mir auch vorher denken können. Aber interessant ist diese Erfahrung trotzdem. Die Menschen haben zum Großteil keine Lust sich über kritische Themen zu informieren, schon gar nicht, wenn sie sie selbst betreffen. Wie absurd.
In der Politik wird auch gerade der selbe Schmusekurs gefahren, denn die Politiker brauchen die Schulterklopfer auf dem Pissoir. Die Politik spielt nur das, was die Leute hören wollen und jeder scheut sich davor, das böse Wort auszusprechen: Verzicht.
Nein es wird sogar damit geworben, dass man bei der Wahl von Partei XY eben nicht verzichten muss und trotzdem alles gut wird. Wie absurd.
Wie soll eine Gesellschaft ihre Treibhausgasemission denn senken, wenn keiner weniger konsumiert und das System auch noch nur durch Wachstum funktioniert. Die einzige Möglichkeit das zu tun, ist die Auslagerung der Emissionen in andere Teile der Erde. Wenn unsere Konsumgüter alle im Ausland gefertigt werden, dann haben wir auf dem Papier auf deutschem Gebiet weniger emittiert, aber in der Atmosphäre ist trotzdem die Menge Treibhausgase gelangt, die bei der Herstellung verursacht wurde. Wenn wir 2050 nur noch mit E-Autos rumfahren, dann ist in Deutschland vielleicht kein Benzin mehr für Verbrennungsmotoren nötig, aber in Chile verursachen der Abbau von Lithium für die Akkus dafür die maximale Umweltbelastung/zerstörung. Das Problem wird einfach nur geografisch verschoben, quasi out gesourced.

Die Lösungsidee beim Thema Mensch ist meiner Meinung nach ebenso einfach wie genial. 
Nachdenken, Verhalten ändern und Verzichten/Teilen. Keiner muss Angst haben zu Hungern, seinen Platz in der Gesellschaft zu verlieren, oder gar, seinen Kindern zu wenig zu bieten. Ganz im Gegenteil. Schaut man sich die Entwicklung der letzten 100 Jahre an, sind wir einfach zu weit gegangen. Jetzt müssen wir einfach wieder ein paar Schritte zurück gehen. Das tut auch manchmal weh, aber ist bei weitem nicht so schmerzhaft, wie die Ereignisse, die kommen werden, wenn wir den Weg weiter nach vorne gehen.

Konkrete Ideen wären:
Ernährung: Möglichst, regional, saisonal, fleischarm und weg von den Discountern.
Mobilität: Nutzen von Fahrrad, Bahn, Füße. Fahrgemeinschaften gründen, regional Urlaub machen. 
Haushalt: Weniger Heizen und dafür nen Pulli anziehen. Nicht ewig und täglich duschen. Elektrische Geräte sowie Licht ausschalten, wenn man sie nicht braucht etc.
Konsum: Nur das kaufen, was man wirklich braucht. Nachbarn fragen, Dinge teilen. Erst nachdenken, dann kaufen. Weniger online kaufen, mehr regional. Vor der industriellen Revolution hat ein Durchschnittseuropäer ca. 100 Dinge besessen. Heute sind es um die 10000. 

Wir als einzelne Menschen haben die größte Macht, die es gibt, wenn wir uns zusammen tun. Wir können durch unsere Wahlzettel, Demonstrationen und Bürgerbegehren entscheiden, was die Politik macht. Wir können mit unseren Einkäufen, Arbeitsplätzen und Geldanlagen entscheiden, was die Wirtschaft produziert. Meiner Meinung nach sind wir die Lösung. Die einzige Lösung. Und wenn wir Glück haben, hilft die Technologie noch ein wenig mit.

Viel Spaß beim Verzichten.
Euer Erik

P.s.: Danke für alle Unterstützer und Verbreiter meines Crowd-Funding-Projektes.
https://www.startnext.com/erikstenzel
Ein schönes Beispiel, was so alles möglich ist, wenn sich Menschen zusammen tun.

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